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Jahreshauptversammlung 2015 – Bericht und Bilder

Es war ein Abend der klaren politischen Worte vor etwa 350 teilnehmenden Jäger(innen) und Gästen, obwohl eigentlich der Wolf Hauptthema war. Hubert Ull, Vorsitzender der Jägerschaft Lingen, hat die Ehrengäste aus Politik und Verwaltung am 26.03.2015 bei Klaas-Schaper in Lingen begrüßt und einleitend von der beeindruckenden Demo der Jäger in Düsseldorf gegen die Novelle des NRW-Jagdgesetzes berichtet. „Die 3000 Jagdhornbläser (von etwa 15 000 Demonstranten) hätten die politischen Gegner förmlich niedergeblasen“, sagte Ull. Josef Schröer, Vizepräsident des LJN, gehen die beeindruckenden Bilder der Demo ebenfalls nicht mehr aus dem Kopf. Es müsse auch in Niedersachsen endlich Schluss sein mit den Verboten und dem ständigen Bevormunden der ländlichen Bevölkerung durch die grüne Politik, forderte er. „Wir sind die Mitte der Gesellschaft und wir sind die Naturschützer, die tatsächlich aktiv etwas tun“, sagte er weiter und richtete seine Kritik vor allem gegen die, die auch in Niedersachsen das Landesjagdrecht ändern wollen. Es bestehe überhaupt kein Bedarf einer Änderung, eine Einschränkung beispielsweise der Fallenjagd auf Prädatoren würde erhebliche Auswirkungen auf die Schutzprogramme von Wiesenvögeln haben. Geplante und zum Teil schon umgesetzte Beschränkungen der Jagdzeiten wären unverhältnismäßig und fachlich nicht begründbar. Falls die Politiker in Niedersachsen trotzdem meinten, das Jagdgesetz gegen die Interessen der Jäger ändern zu wollen, könnten sie sich auf heftige Gegenwehr mit noch größeren Demos als in NRW gefasst machen.

Nachdem Marc Andre Burgdorf, Dezernent des Landkreises, selbst aktiver Jäger, lobende Worte in seinem Grußwort fand, er sprach von „1a Naturschützern mit hervorragender Fachausbildung“, hat auch der erste Bürgermeister der Stadt Lingen, Heinz Tellmann, sich ausdrücklich bei den Jägern bedankt. Er zog „den Hut vor den Jägern“ und bedankte sich besonders auch im Namen der Schüler und Lehrer, für die ehrenamtliche Tätigkeit der Jägern, die mit dem Infomobil (rollende Waldschule) immer gut über Natur und Wild informieren würden.

Heinz Rolfes, MdL der CDU, und Gerd Will, MdL der SPD, bezogen in ihren Grußworten ebenfalls klar ihre politische Positionen. Rolfes machte dabei deutlich, dass es für die Abschaffung der Jagdsteuer im Landkreis Emsland derzeit wohl keine Mehrheit gäbe, obwohl sich die CDU auf Landesebene gegen die Jagdsteuer ausspricht. Gerd Will appellierte an ein friedliches Miteinander der Jäger und Politiker und erklärte, dass man das Jagdrecht in Niedersachsen und die Liste der jagdbaren Arten aus seiner Sicht nicht auf den Kopf stellen dürfe. Beide Landespolitiker waren, wie viele andere Gäste, aber vorallem auch deshalb der Einladung der Jägerschaft Lingen gefolgt, um etwas neues, spannendes über den Wolf zu erfahren.

„Wir müssen im Emsland wieder zu unseren Tugenden zurückkehren, emsländisch einfach und mit einem gesprochenen Wort, das gilt und auf das man sich verlassen kann“. Mit diesem Appell hat der stellvertretende Kreisjägermeister Heiner Hüsing dann deutliche Worte an die Vertreter des Landkreises gerichtet. Er bezog seine Kritik vor allem auf die Vorgehensweise bei der Unterschutzstellung der FFH-Gebiete an der Ems aber auch auf die Diskussion um die Jagdsteuer im Landkreises Emsland.

Die formellen Tagesordnungen der Jahreshauptversammlung führten zur Wiederwahl von Josef Schröer zum stellvertretenden Vorsitzenden, zur Berufung von Sebastian Schröer aus Emsbüren zum Schießobmann und zur Benennung von Ludger Fels aus Altenlingen zum neuen Beauftragten für die Wanderfalken am Schepsdorfer Sendemast. Josef Triphaus aus dem Hegering Lengerich wurde für seinen vorbildlichen Einsatz beim jagdlichen Schießen mit dem LJN-Verdienstabzeichen in Bronze geehrt. Die drei besten Rehbockabschüsse erhielten den goldenen (Ralf Kohne aus Lengerich), silbernen (Bernd Staelberg aus Leschede) und bronzenen (Martin Koopmann aus Bramsche) Bruch. Die Jagdstrecke, über die Heiner Hüsing bezogen auf das letzte Jagdjahr ausführlich berichtete, wurde von den Jagdhornbläsern aus Freren „verblasen“.

Als Referentin zum Thema „Wölfe im Emsland“ war Frau Dr. Britta Habbe, Wolfsexpertin der LJN, eingeladen. In ihrem Vortrag sagte Frau Habbe, dass „zum Thema Wolf jeder etwas zu sagen hätte“ und sie in ihrer Arbeit deshalb weniger mit dem Wolf als mehr mit den Gruppen und der Bevölkerung im Umfeld des Wolfes zu tun hätte. Mit beeindruckenden Bildern zeigte Frau Dr. Habbe wie der Wolf in unsere Kulturlandschaft zurückkehrt – das sei aber keine aktive Wiederansiedlung sondern die natürliche Ausbreitung der wilden Wölfe von Ost nach West „auf Pfoten“, sagte sie. Der Wolf sei dabei sehr anpassungsfähig. In 2014 gab es bereits 5 Rudel in Niedersachsen, der Wolf im Emsland ist aber ein Einzelgänger, eine weibliche Fähe. Ein Rudel bestehe aus durchschnittlich 8 Tieren, die Eltern, einige Jährlinge und die Welpen. Mit zwei Jahren wandern die jungen überzählichen Wölfe ab und begeben sich mit einer Tagesstrecke von etwa 30 bis 50 km auf Wanderschaft. Das Rudel benötige etwa 20 000 bis 30 000 ha Fläche, das Stadtgebiet Lingen würde dafür im Vergleich mit 17 600 ha nicht ausreichen. Die Wölfe des Rudels fressen etwa 2 Stück Schalenwild (Rehe oder Damwild) pro 100 ha und Jahr, Nutztiere sind nur ganz selten Beutetiere (0,5 % der Nahrung). Ein gutes Nebeneinander von Schalenwild und Wölfen in der Natur sei aber kein Problem, verdeutlichte Frau Dr. Habbe mit einer Videoaufnahme und versuchte damit den anwesenden Jägern die Angst zu nehmen, dass der Wolf die Schalenwildpopulation in unserer Region übermäßig dezimieren würde. Frau Dr. Habbe zeigte an Bildern, dass es garnicht so leicht sei, den Wolf vom Hund zu unterscheiden. Übergriffe des Wolfes auf den Hund gibt es in Niedersachsen bislang nicht, ein Video, was derzeit in WhatsApp kursiere käme nicht aus Deutschland – das treffe überigens auch für viele andere Bilder und Filme des Wolfes zu, kritisierte Habbe. Es gäbe erst recht keine Übergriffe auf den Menschen, obwohl insbesondere der Versuch einer Gewöhnung des Wolfes an den Menschen (Habituation) durchaus gefährlich werden könne. Dies haben auch die Videos und Bilder des „Medien-Wanderwolfes“ gezeigt, die in den letzten Tagen in Presse und Fernsehen gezeigt wurden. Es sei auch gefährlich einen Wolf zu provozieren. Eine weitere Gefahr stelle Tollwut dar, eine Krankheit, die das Tier agressiv mache; die Krankheit habe man jedoch hier zu Lande im Griff. Nach weiteren tollen Bildern von Wolfsfährten, Wolfslosung und Wolfsrissen, die Frau Dr. Habbe den Versammlungsteilnehmern eindrucksvoll mit ihrem Expertenwissen erläuterte, beendete sie ihren Vortrag mit dem Appell, beim Wolfsmonitoring aktiv mitzuhelfen und alle Begegnungen mit Wölfen zu melden. Wer sich informieren möchte findet alle Details zum Wolf in Niedersachsen unter www.wildtiermanagement.com.

Nachdem Johann Högemann, Obmann des Naturschutzes, verkündet hat, dass die Jägerschaft ehrenamtlich 200 Geräte zu Wildtierrettung zusammenbauen und an die Hegeringe verteilen würde, beendete Hubert Ull die Versammlung mit einem Waidmannsheil und mit "Bleibt Gesund".

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