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Jäger besichtigen Artenvielfalt und Blühpflanzen in Delbrück

 

Die Jägerschaft Lingen hat über den Hegering III eine Busfahrt ins Niederwildrevier von Richard Schulte nach Delbrück, Ortsteil Westenholz, organisiert.

Das Revier von Richard Schulte ist eines der besten Niederwildreviere in Deutschland. Die Artenvielfalt und die Raubwildbejagung sind dort die Topthemen, genauso wie auf den letzten Veranstaltungen der Jägerschaft Lingen. Es gibt schon viele Blühstreifen und Initiativen im Emsland. Ziel ist es aber, bei der Biodiversität und dem Erhalt sowie die Förderung des Niederwildbestandes noch besser zu werden. Was bietet sich besser an, als solche Projekte in der Praxis live zu sehen und zu erleben. Die guten Kontakte zum Vorstand führten zur Organisation der Busfahrt am 21.06.2019 nach Delbrück ins Revier Schulte. Die etwa 45 teilnehmenden Jägerinnen und Jäger aus den Hegeringen der Jägerschaft Lingen und ein paar Gäste der Jägerschaft Aschendorf sollen davon berichten und für ihre Reviere als Multiplikatoren dienen. Sie sollen also diejenigen sein, die das Erlebte weitererzählen und die gezeigten Maßnahmen bestenfalls selbst im Revier umsetzen.

Praktische Artenvielfalt in der Feldflur funktioniert nur gemeinsam mit den örtlichen Landwirten. Davon berichtete Richard Schulte, der in seinem 800 ha Revier ein ganzes Netz an Blühstreifen gemeinsam mit den anderen regionalen Bauern angelegt hat. Die Flächenbewirtschafter sind diejenigen, die die Pflanzen säen und die Wildpflanzen ggf. auch ernten und verwerten müssen. Nur die Nutzung und die Pflege der Pflanzen garantieren den Erhalt dieser Blühstreifen. Ungepflegte Biotope, die mit Strauchwerk zuwachsen und verwahrlosen, helfen dagegen der Artenvielfalt nicht.

Schulte bewirtschaftet im Revier selbst etwa 200 ha landwirtschaftliche Nutzfläche und hat die Möglichkeit, den Pflanzenaufwuchs zum großen Teil in seiner Biogasanlage einzusetzen. An vielen Stellen werden neben Wallhecken, an Gewässern und an Waldrändern dreigliedrige, jeweils möglichst 12 m breite Streifen mit Miscanthus, dann Mais und als drittes ein Streifen Blühpflanzenmischungen angelegt. Dieser Wechsel und diese Pflanzenvielfalt garantiert den Wildtieren ganzjährigen Schutz. Es gibt auch Schwarzbracheflächen, Wildpflanzenflächen zur Energienutzung und Wiesenvogelinseln an und in einigen Ackerflächen. Die Kiebitz- und Lerchenbruterfolge steigen.

Richard Schulte und sein Team haben mehrere Jahre Erfahrungen sammeln müssen, um diese Streifennetze und Biotope im Revier anzulegen und deren Anbauwechsel zu optimieren. Es gibt Einnahmen aus verschiedenen Fördertöpfen und Programmen des Landes NRW. Die Möglichkeiten sind vielfältiger und praktikabler als in Niedersachsen; da könnten die Verantwortlichen der Agrar- und Umweltmaßnahmen in Niedersachsen einiges abkupfern.

Die Förderungen zu beantragen bedeutet jedoch einen hohen Verwaltungsaufwand, den sich einzelne Landwirte ohne Unterstützung so nicht leisten können. Der Aufwand lohnt sich aber, wie Richard Schulte in seinem Vortrag zeigen konnte. Die artenreichen Blühstreifen wirken wie Magneten auf Insekten und Wildtiere. Es danken hohe und wachsende Niederwildbestände, dort in Westenholz bei Delbrück vor allem an Hasen und Fasanen.

Biodiversität für das Niederwild hilft nur in Kombination mit intensiver Raubwildbejagung. Im Schulte-Revier befinden sich etwa 30 Betonrohfallen, die alle mit elektronischen Fangmeldern ausgestattet sind, wenn sie fängisch gestellt werden. Der Erfolg bei dieser Fangmethode hat auch da Richard Schulte und seinem Jägerteam in ihrem Tun bestätigt: Mittlerweile haben auch die umliegenden Jagdreviere solche Betonrohrfallen im Einsatz.

Die Teilnehmer an der Exkursion bedankten sich bei Richard Schulte und seiner Familie für die tolle Führung mit einem Präsentkorb. Nach einer Stärkung mit Imbiss und Getränken im Swingolf & Soccer Park Westenholz ging es wieder mit dem Bus zurück ins heimische Lingener Land.