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Fasanenprojekt Lingen – Abschlussbericht

2020 02 07 FasanenprojektIm aktuellen Landesjagdbericht Niedersachsens werden die Ergebnisse übersichtlich und zusammengefasst dargestellt (Link zum Bericht unten). Dort wird folgendes Fazit gezogen:

Aktuelle Forschungsergebnisse des ITAW an freilebenden und aufgezogenen Fasanen sowie verschiedene internationale Studien beim Rebhuhn und anderen Agrarvögeln führen die Kernproblematik im allgemeinen Rückgangsgeschehen auf mangelnde Aufzuchtraten bei den Jungtieren zurück. In der Folge können die Verluste an Altvögeln nicht kompensiert werden, um die Populationen zu stabilisieren oder ansteigen zu lassen.

 

Die Ursachen dafür liegen in einem multifunktionalen Wirkungsgefüge begründet. In diesem Zusammenhang spielen die indirekten Effekte einer Proteinmangelversorgung infolge einer schlechten Lebensraumqualität mit reduzierter Insektenbiomasse in Getreideflächen eine bedeutende Rolle beim Rückgang der Fasanen und wahrscheinlich auch anderer Agrarvogelarten.

Prädation und Krankheiten nehmen als primäre Rückgangsursachen bei Agrarvögeln eine eher untergeordnete Position ein, gewinnen jedoch als Sekundärfaktoren bei geringen Populationsdichten bzw. bei geschwächten Jungtieren zunehmend an Bedeutung. Die Untersuchungen des ITAW zur Prädation beim Fasan belegen eine starke, negative Einflussnahme der Prädatoren auf das Überleben der Hennen in der Lege-, Brut- und Aufzuchtphase. Darüber hinaus ist die Einwirkung der Prädatoren auf eine erfolglose Bebrütung eines Geleges bis zum Schlupf als außerordentlich hoch anzusehen.

Die derzeit in der Agrarlandschaft vorhandenen Landschaftselemente reichen in Quantität und Qualität nicht aus, um eine positive Überlebensbilanz bei Fasanen- und Agrarvogelpopulationen zu gewährleisten. Zwar gibt es im Rahmen des GREENINGS bzw. der Agrarumweltprogramme ein breites Angebot an lebensraumverbessernden Maßnahmen. Aber insbesondere ökologisch hochwertige Maßnahmen wie z. B. Brachen, Feldrand-, Puffer- und Blühsteifen werden vielerorts aufgrund der fehlenden Wirtschaftlichkeit, der Komplexität der Regelungen, der Angst vor mangelnder Planungssicherheit und Gestaltungsspielraums sowie hohen Sanktionen kaum genutzt. Die GREENING-Verpflichtungen erfüllen die meisten Landwirte durch den Anbau von Zwischenfrüchten, weil dieses die ökonomisch sinnvollste Variante zu sein scheint. Im Hinblick auf die Lebensraumqualität und den Nutzen für die Feldfauna insbesondere in der kritischen Lebensphase der Agrarvögel zeigt dies allerdings keinerlei Wirkung.

Vor diesem Hintergrund sind neben Handlungs- und Bejagungsempfehlungen für eine effizientere, konsequentere Niederwildhege unter Einbeziehung, Erhaltung und Förderung der Fallenjagd vor allem pragmatische Lösungsvorschläge zur Verbesserung der Lebensraumbedingungen und des Nahrungsangebots für Jungtiere bzw. der Optimierung und Ergänzung bestehender Förderprogramme und –maßnahmen dringend angezeigt. Davon würde sicherlich nicht nur der Fasan profitieren, sondern viele andere Agrarvogelarten wie das Rebhuhn oder aber auch der Feldhase. Hier ist die Politik gefordert, entsprechende Anreize zu schaffen.

Danksagung: Das ITAW bedankt sich ausdrücklich beim Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz als Mittelgeber, der Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. und den Jägerschaften vor Ort für die Befürwortung der Projekte und deren Unterstützung. Die genannten Projekte erforderten ein erhebliches Maß an Projektmanagement, an dem ein ganzes Team beteiligt war und mit dessen unschätzbarer Hilfe es gelungen ist, die Projekte erfolgreich durchzuführen. Daher gilt unser ganz besonderer Dank allen beteiligen Jägern, Landwirten und Akteuren vor Ort für Ihre tatkräftige Unterstützung, Gastfreundschaft und Akzeptanz über diesen langen Zeitraum.

Der ganze Bericht kann ab Seite 92 im Landesjagdbericht unter

https://www.ml.niedersachsen.de/download/149095/Landesjagdbericht_Niedersachsen_2018_2019.pdf

eingesehen werden.