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Drohne spürt Wildtiere auf - Rehkitzrettung aus der Luft

 

Lingen-Mundersum. Es dämmert. Im Osten kündigt schwaches Licht den Beginn eines neuen Tages an. Und dennoch herrscht schon emsige Betriebsamkeit auf dem Bauernhof Schröer in Mundersum. Ortsansässige Jäger treffen sich, um mit Conny Eilers und einer Wärmebilddrohne Jungtiere im hohen Gras zu suchen. Unter den Helfern hat sich auch Christian Fühner, der CDU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Jungen Union Niedersachsen eingefunden.

 

Nach einer kurzen Einweisung fährt die Gruppe ins Mundersumer Feld. Eine ca. zehn Hektar große Grasfläche soll im Laufe des Tages abgemäht werden. Bevor jedoch die Mahd beginnen kann, wollen die Waidmänner mit Unterstützung Drohne der Jägerschaft Lingen e.V. und dem Drohnenpilot Conny Eilers aus Lengerich die kniehohe Grasfläche absuchen. Die Jägerschaft Lingen ist seit 2019 im Besitz einer hochmodernen Drohne. Sie wird zum Finden von Wild in Gras- und Getreideflächen eingesetzt. Die Drohne kann vor der Mahd angefordert werden. Schnell hat Eilers mit Hilfe seiner umfangreichen Ausrüstung quasi einen Tower am Rande des abzusuchenden Feldes aufgebaut. Schon nach wenigen Augenblicken hat das fliegende Auge eine verdächtige Stelle gefunden. Zwei Jäger eilen zum Fundort und gleich drei Fasanenhennen fliegen zurück in das nebenan liegende Getreidefeld. Junge Fasanenküken sind zum Glück nicht dabei. Aber die Spannung unter den Helfern ist nun geweckt. In etwa 60 Metern Höhe fliegt Eilers die Drohne gekonnt systematisch über die Fläche und beobachtet hierbei seinen Bildschirm. Erneut bleibt das Flugobjekt in der Luft stehen. „Das könnte wohl ein Kitz sein“, erkennt der erfahrene Drohnenpilot schon auf seinem Display das gefundene Tier. Und in der Tat. Zwei weitere Jäger und Christian Fühner werden zur Stelle geführt. Aber nicht von Hand, sondern mit der Stimme von Conny Eilers, der die Männer mit einem Funkgerät dirigiert. „Noch etwa fünf Meter weiter. Stopp! Nach links. Und noch einmal drei Schritte. Jetzt steht ihr direkt davor“. Die Jäger bücken sich und wischen mit beiden Händen das Futtergras hin und her. „Ein ganz kleines Kitz“ ertönt es aus den Lautsprechern. Die Freude über den Fund ist allen anzusehen. Es hat wieder einmal funktioniert. Ein erst vor wenigen Tagen gesetztes Rehkitz konnten sie vor dem Mähtod bewahren. Damit die Kitze nach der Rettung auch wieder von der Ricke angenommen werden, tragen die Helfer beim Bergen Plastikhandschuhe. Behutsam nehmen Daniel Schröer und Christian Fühner das junge Tier auf, legen es in einen mit Gras ausgelegten Korb und tragen es an den Rand des Feldes zu einer Wallhecke. Hier wird es auf die Ricke warten bis es von ihr abgeholt wird. „Ein Rehkitz würde in solch einem Fall nicht flüchten. Die haben keinen Fluchtreflex, ducken sich weg. Weil sie keinen Eigengeruch haben, werden sie selten vom Raubwild entdeckt“, erklärt Josef Schröer dieses Phänomen.

 

Josef Schröer ist stellvertretender Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen und steckt daher voll im Thema. Rein formal müsse der Landwirt das Mähen beim Jäger anmelden. „Wenn er es nicht macht, so Schröer, „und ein Wirbeltier verletzt oder getötet wird, kann er durchaus rechtlich belangt werden. Doch nicht nur die Jäger haben als Wildheger ein eigenes Interesse daran, die Jungtiere zu retten. Auch für die Landwirte hat die Kitzrettung Vorteile. Geraten Tiere ins Mähwerk, ist das Heu mit dem Tierkadaver belastet. Es können sich Bakterien bilden, die ins Futter geraten und bei den Nutztieren Krankheiten verursachen. Wir Jäger unterstützen den Landwirt hierbei gerne“.

 

Conny Eilers unterstützt seit 2019 ehrenamtlich die Kreisjägerschaft Lingen. Etwa 2400 km fuhr er mit seinem Bulli in diesem Jahr zu den einzelnen Orten. Hier fand der Drohnenpilot in 170 Flugstunden auf 750 Hektar landwirtschaftlichen Flächen 81 Rehkitze, 25 Junghasen, 20 Fasanen- und 4 Entengelege. Auch vier Igel und vier Jungfüchse entdeckte Eilers mit seinem Fluggerät.

 

Noch zwei Rehkitze finden die Mundersumer Jäger an diesem Morgen und können damit deren Leben retten. Wenn die Sonne höher steigt und sich der Boden erwärmt, ist die Arbeit mit der Wärmebildkamera nicht mehr möglich. Ein gemeinsames Frühstück, natürlich mit der in der Corona-Pandemie erforderlichen Distanz, beendet einen überaus erfolgreichen Arbeitseinsatz im Feld. Christian Fühner brachte es hier noch einmal auf den Punkt: „Heute morgen konnten wir Rehkitze, Hasen und Hennen vor einem möglichen Mähtod bewahren. Ein innovatives Vorgehen, was Vorreiter für ganz Niedersachsen sein kann. Ein toller Einsatz der Jägerschaft! Das ist echter Tierschutz!“

 

 

Artikel für die Lingener Tagespost von Johannes Krage, Jägerschaft Lingen