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Voller Saal bei Sperver am Vortragsabend

Die Vortragsveranstaltung zum Fasanenprojekt und zur aktuellen Jagdpolitik war sehr gut besucht. Etwa 170 Jägerinnen und Jäger zeigten großes Interesse an den angekündigten Vortragsthemen. Die meisten waren besonders gespannt auf den Vortrag von Ulrich Voigt zum Stand des Fasanenprojekts in Lingen.

Auf Initiative des Vorstandes der Jägerschaft soll mehrere Male im Jahr zu solchen Vortragsabenden eingeladen werden, um alle Jägerinnen und Jäger im Altkreis Lingen und darüber hinaus auch Interessierte aus dem Umfeld über Aktuelles zu informieren. Das hat der Jägerschaftsvorsitzende Jochen Roling am Montagabend, 10.09.2018, bekanntgegeben, nachdem er zunächst alle Anwesenden und besonders die Ehrenvorsitzenden der Jägerschaft Lingen, Hubert Ull, August Feldmann und Bernard Schumacher begrüßt hatte.

Jochen Roling hat dann im ersten Vortragsthema über das bundesweit laufende Projekt „Fellwechsel“ informiert. Dabei sollen Balge von Raubwild und Nutria gesammelt und zu Pelzprodukten verarbeitet werden. Die Balge können ab Mitte November in Müllsäcken angeliefert werden. Darin muss ein Herkunftsnachweis (ausgefülltes Formular in einer Folie) enthalten sein. Truhen stehen an festen Orten in jedem Hegering. Die Adressen der Orte werden im Internet bekannt gegeben. Das Honorar für die Balge wird ein bis zweimal im Jahr ausgezahlt und nicht sofort nach Anlieferung.

Im zweiten Vortrag informierte der stellv. Vorsitzende und Vizepräsident des LJN Josef Schröer über den Nutriaerlass und über die kleine Novelle des Landesjagdgesetzes in Niedersachsen. Er kritisiert die Freigabe der Nutriabekämpfung für Nichtjäger, auch wenn es sich dabei um Bisamjäger handelt. Der LJN möchte keine Präzedenzfälle schaffen. Schröer berichtet über die geplanten Gesetzesänderungen im Nds. Jagdgesetz. Darin sollen u.a. Details im Falle eines ASP-Ausbruchs, die Zulassung von Schalldämpfern und der Schießnachweis neu geregelt werden.

Den dritten Part am Vortragsabend übernahm Heiner Hüsing, Kreisjägermeister im Emsland. Er appellierte an die Teilnehmer, Krähen und weibliches Rehwild zu bejagen sowie die anstehenden Gesellschaftsjagden, insbesondere die Drückjagden, gut vorzubereiten. Dabei müsse die Sicherheit allen anderen Aspekten vorgehen. Hüsing berichtete außerdem über die gute Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Emsland. Das sei u.a. der neuen Leiterin des Fachbereichs Umwelt, Frau Kirstin Meyer, zu verdanken.

Den spannendsten Teil des Abends gestaltete Ulrich Voigt von der ITAW Hannover. Er zeigte beeindruckende Bilder, Videos und Daten zum Fasanenprojekt in Lingen. Es gäbe 10 Untersuchungsteilprojekte. In Lingen stehen die Ursachenforschung des Kükensterbens und die Raumnutzung der Fasanen im Vordergrund. Man hat neben Hennen erstmals auch Küken telemetriert, d.h. mit Sendern ausgestattet. Interessante Thesen des Vortrages waren:

  • Die Henne bleibt aufgrund der Gefahr eines Prädatorenangriffs mit ihren Küken in den ersten 2-3 Wochen im Getreidefeld und wandert nicht zum Rand (obwohl dort das Nahrungsangebot mit Insekten höher ist).
  • Die Henne reagiert mit ihren Küken erst nach einem Prädatorenangriff mit einem deutlichen Standortwechsel.
  • Der Bruterfolg hängt im Wesentlichen von der Prädatorenbekämpfung ab.
  • Die Hennenzahl einer Fasanenpopulation halbiert sich jährlich, d.h. bei wenig Aufzuchterfolg schaffen es die Fasanen nicht, den Besatz zu halten.
  • Die Küken sind in den ersten drei Wochen sehr empfindlich und sind im insektenarmen Getreidefeld häufig unterernährt (erreichen nur etwa 40 % des Normalgewichts).
  • Die Ursachen des Kükensterbens liegen in der Prädation und in der mangelnden Ernährung.

Details zu den Thesen müssen vor Veröffentlichung noch wissenschaftlich beurteilt werden. Der Teilnehmerkreis diskutierte besonders intensiv über die Fallenjagd zur Raubwildbekämpfung und über die mangelnde Biodiversität in der Kulturlandschaft.

Ulrich Voigt appellierte an die Jägerinnen und Jäger, in ihren Revieren das Raubwild zu bejagen und bei den Flächeninhabern für Artenvielfalt zu werben. Er bedankte sich ausdrücklich bei den Jägern der Projektreviere und ganz besonders bei Thomas Holt, Hermann Korves, Johannes-Franz Lübbers und Johann Högemann, die ihn tatkräftig bei der Umsetzung des Projektes unterstützen.

Mit der Ankündigung der nächsten Vortragsveranstaltung mit dem möglichen Thema „Fallenjagd zur Prädatorenbekämpfung“ durch den Vorsitzenden Jochen Roling, endete der Vortragsabend.