Impressum | Datenschutzerklärung | Kontakt

Bingo-Umweltstiftung (NBU) sponsert Drohne zum Schutz von Wildtieren

Die Grünlandmahd fällt in die Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere. Rehkitze und Junghasen drücken und tarnen sich instinktiv im hohen Gras. Wildvögel haben dort ihre Gelege. Bei der Mahd durch den Kreiselmäher sind diese Tiere und Gelege gefährdet. Mittels Wärmebildkameras an Drohnen können diese in den Grasflächen vorher gefunden und gerettet werden. Die Jägerschaft Lingen hat eine neue Drohne im Einsatz, deren Anschaffung die NBU gefördert hat. Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung (NBU) finanziert sich aus der Glückspielabgabe und vor allem aus Einnahmen der Bingo-Umweltlotterie – Infos unter www.bingo-umweltstiftung.de. Sie fördert Umwelt- und Naturschutzprojekte.

Die rechtliche Pflicht zur Wildtierrettung ergibt sich aus dem Tierschutzgesetz. Dort heißt es „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“ und wer dagegen verstößt wird „mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe“ (bis 25 000,- Euro) bestraft. Die Verpflichtung schweißt Landwirte und Jäger zusammen. Durch unmittelbar vor der Mahd durchgeführte Vergrämungsmaßnahmen auf den zu mähenden Flächen kann bereits ein großer Teil der Wildtiere gerettet werden. Vor allem junge Kitze verlassen die Fläche nicht alleine und sind ganz schwer zu finden. Sie werden bei Störung (Stangen mit Flatterbändern, etc.) von den Ricken aus der Fläche geführt. Aufgrund des engen Zeitfensters ist es teilweise nicht möglich auf den kompletten Flächen Vergrämungsmaßnahmen durchzuführen. Der Einsatz der Drohne, ausgerüstet mit Wärmebildkameras, hilft dabei, ist effizient und ermöglicht das Finden der Wildtiere und deren Gelege.

In der Jägerschaft Lingen haben die Organisation und das Fliegen der Drohne Conrad Eilers aus Lengerich und Martin Albers aus Emsbüren ehrenamtlich übernommen. Beide haben vorher an Schulungen teilgenommen. Landwirte und Revierjäger nehmen per Handy Kontakt zu ihnen auf (Conrad Eilers 0175-9685740, Martin Albers 0179-7027672). Hilfreich zum Finden der Flächen sind Standortkarten z.B. aus Google-Maps. Mittels GPS-gestützter Software werden die Drohnenflüge dann geplant und die Eckpunkte der angegebenen Flächen digitalisiert. Man verabredet sich morgens vor Sonnenaufgang oder abends in der Dämmerung an der ersten Fläche; dann sind die Temperaturverhältnisse besser als tagsüber. Martin Albers erklärt, dass sich bei Sonneneinstrahlung Maulwurfshaufen oder andere Kahlstellen im Gras so aufheizen, dass sie von der Wärmebildkamera ebenfalls erfasst und markiert werden. Alle markanten Punkte sind auf Bildschirmen sichtbar und müssten kontrolliert werden. Man wolle aber bestenfalls nur Wildtiere und Gelege finden und fliege die Drohne deshalb am liebsten vor Sonnenaufgang, wenn der Boden noch kühl sei.

Die Drohne fliegt automatisch die geplante Route selbstständig ab. Auf manuelle Steuerung müsse man nur bei komplexem Flächenzuschnitt oder bei Biotopen in der Fläche umstellen. An jedem verdächtigen Punkt wird die Drohne in der Luft gestoppt und die beteiligten Retter, Landwirte bzw. Jäger, sehen den markanten Punkt auf dem Bildschirm und gehen diesen zwecks Kontrolle an.

Gefundene Rehkitze werden aus der Fläche getragen und morgens unter einer belüfteten Kunststoffkiste festgesetzt, solange bis die Gefährdung durch die Erntemaschine vorbei ist. Abends werden die Kitze zwei Flächen weiter verbracht. Wildtiere darf man nur mit Handschuhen und/oder in Grasbüscheln transportieren, damit sie keine menschliche Witterung annehmen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie von ihren Müttern, bei Kitzen den Ricken, nicht wieder angenommen werden. Fasanengelege werden mitgenommen; die Eier können in Brutmaschinen ausgebrütet und die Küken in Volieren großgezogen werden. Versetzen dieser Gelege helfe nicht, da die Fasanenhenne das Nest nicht wiederfinden würde. Andere Gelege, wie z.B. das von der Wiesenweihe, werden markiert und bei der Mahd umfahren. 80 % der Hasen, Fasanen und Rehe halten sich im Saumbereich der Grasflächen auf. Bei Zeitproblemen können somit Kernzonen von großen Flächen ausgespart werden.

Die Saison in diesem Frühjahr sei am Wochenende nach dem 1. Mai gestartet, erklärt Conrad Eilers. Bis Mitte Juni hatten die beiden geschulten Grünröcke etwa 30 Einsätze geflogen, 100 Flächen abgesucht mit einer Größe von etwa 400 ha. Mehr als 30 Rehkitze sind gerettet worden. Nach 15 bis 18 Minuten Flugzeit müsse der Akku gewechselt werden. In der Zeit schaffen die mittlerweile routinierten Drohnenflieger etwa 15 ha. Sechs volle Akkus liegen im Auto bereit und müssen nach dem Einsatz mit einer jeweiligen Ladezeit von 1,5 Stunden wieder aufgeladen werden. Die Akkuleistung beschränkt den Drohneneinsatz maßgeblich. Sie müssen außerdem nach 500 bis 1000 h refinanziert werden und verursachen neben der Anfahrt die höchsten Kosten. Die beiden Wildretter arbeiten ehrenamtlich. Die laufenden Kosten der Drohneneinsätze werden von der Jägerschaft Lingen getragen. Der Vorstand organisiert auch die rechtlichen Voraussetzungen und hat sich so beispielsweise von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Emsland eine bis Mitte Juli befristete Erlaubnis dafür geholt, dass die Drohne auch in den Landschafts-, Naturschutz- und FFH-Gebieten eingesetzt werden kann.

Wer weitere Informationen zum Einsatz der Drohne haben möchte, kann sich gerne an die Vorstandsmitglieder oder die vorgenannten Drohnenflieger der Jägerschaft Lingen wenden.

Jan Wulkotte
Obmann für Öffentlichkeitsarbeit
(Fotos von Conrad Eilers)