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Jägertag zum Thema "Rückgang Fasanenbesatz" auf dem Wöhlehof in Spelle

Die Jägerschaft Lingen, Hegering II, hat einem Jägertag organisiert. Er hat am Samstag, den 04. Oktober 2014, auf dem Wöhlehof in Spelle stattgefunden. Nachfolgend ein Bericht von Heinz Krüssel dazu:

Spelle. Der rapide Rückgang der Fasanenbesätze besonders im westlichen Niedersachsen bereitet den Jägern seit einigen Jahren große Sorgen. Wo sind die Gründe zu sehen und was kann man dagegen tun? Auf diese Fragen haben die anerkannten Naturschützer jetzt im Rahmen des Jägertages 2014 im Wöhlehof in Spelle versucht, Lösungen zu finden.

Den dramatischen Rückgang verdeutlichte Josef Schröer, Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN). Im Jagdjahr 2006/2007 wies der Streckenbericht noch 164 800 erlegte Fasane aus; im Jagdjahr 2013/2014 waren es dagegen nur noch 32 000. Es werde auch auf Initiative des LJN-Präsidiums auf vielen Ebenen nach der Ursache gesucht, doch wissenschaftlich untermauerte Ergebnisse gebe es derzeit noch nicht, so der Vizepräsident.

Dank sagte Josef Schröer Hegeringleiter Norbert Meyerdirks und seinem Team vom Hegering II Lünne für die Vorbereitung und Durchführung des Jägertages 2014. Begrüßt wurden die Besucher musikalisch von der Bläsergruppe unter Leitung von Ludger Rammes. Ein Willkommen galt dem Bezirksvorsitzenden Martin Meyer-Lührmann sowie den Referenten Florian Rahe und Ulrich Voigt. „Sie beschäftigen sich intensiv mit dem Thema Fasanenrückgang“, wies Schröer auf die Fachkompetenz der Gäste hin.

„Ökologisch, nachhaltig und autochthon“ – mit diesen drei Schlagworten beschreibt Hegeringleiter Martin Meyer-Lührmann die Fasanenauswilderung nach dem „Höckeler Modell“ im Hegering Voltlage-Merzen im Landkreis Osnabrück. Neun Eigen- und Gemeinschaftsjagden der Gemarkung Höckel (1600 Hektar) haben sich dort zusammengetan und ein Auswilderungsprojekt gestartet. „Die Auswilderung erfolgt vorrangig mit dem Ziel, den Besatz an Fasanenhennen zu erhöhen“, so Meyer-Lührmann.

Revierjagdmeister Florian Rahe betreut ein 1 300 Hektar großes Pachtrevier in Ostwestfalen. Der Berufsjäger sammelt seit sechs Jahren Erfahrungen mit dem Auswildern von Fasanen, um die noch vorhandene Population zu stärken. „Entscheidend für den Erfolg ist die kontinuierliche Reduzierung der Prädatoren im Revier“, so Rahe. Dazu gehöre ferner eine Optimierung der Biotope in Form von vielen kleinstrukturierten Flächen innerhalb der großen Monokulturen.

Verschiedenen Möglichkeiten des Auswilderns wurden vorgestellt. Florian Rahe empfahl ausdrücklich, Nachwuchs von Wildfängen einzusetzen. Autochthone, also heimische Fasanen, seien an die Witterung, die Reviergegebenheiten und auch an das reviertypische Raubwild angepasst. Die Eier sollten möglichst von Zwerghuhnglucken ausgebrütet werden. Wichtig sei, dass die Küken bis zum Auswildern von Glucken geführt werden. Das Aussetzen von „kommerziell“ gezüchteten Fasanen mache keinen Sinn. Die Vögel seien meistens nur Futter für die Prädatoren.

Auf diesen Aspekt ging auch Ulrich ‚Voigt ein. Der Mitarbeiter am Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Hannover beleuchtete das Aussetzen von Fasanen aus wissenschaftlicher Sicht. Wichtig für das Überleben seien die vererbten Verhaltensweisen, beispielsweise die Feinderkennung. Dieses sei nur bei „wilden“ Fasanen der Fall. Den Aufzuchterfolg bei Küken aus Wildfängen bezifferte der Referent mit 83 Prozent; bei Nachkommen aus Fasanerien liege dieser bei etwa 45 Prozent. „Nach sieben Tagen waren 59 Prozent vom Raubzeug gefressen“, hieß es. Verlustursachen während der Brutzeit seien in erster Linie Fuchs, Marder und Greifvögel wie Bussard und Habicht sowie Krähen. Ein großes Problem würden Katzen im Revier darstellen, erläuterte der Wissenschaftler entsprechende Erkenntnisse.

Gespannt warteten die Jäger auf Gründe und Ursachen für den Besatzrückgang. Ulrich Voigt machte deutlich, dass es offensichtlich verschiedene Gründe dafür gibt, ein „multifraktionelles Geschehen“. Es konnte bislang kein seuchenhafter Charakter festgestellt werden. Ein Faktor sei die hohe Verlustrate von Fasanenhennen, insbesondere während der Brutphase. Etwa 53 Prozent der Hennen würden den Winter nicht erreichen. Ein weiterer Faktor sei die unzureichende Überlebensrate der Küken. Dieses führte der Wissenschaftler auf die Schwächung der Küken als Folge von mangelhaftem Nahrungsangebot zurück. Ein Problem sei der Rückgang der Anzahl der Küken in einem Gesperre. Währen die Hennen vor einigen Jahren noch etwa zehn bis zwölf Küken führten, liege die Zahl heute im Durchschnitt bei drei bis fünf Küken.

Mit endgültigen Ergebnissen aus Forschersicht konnte der Diplombiologe nicht aufwarten. „Wir sind dran und hoffen auf weitere Ergebnisse zur Ursache für den Fasanenrückgang“, beschloss Voigt seine informativen Ausführungen.

Nach intensiver Diskussion über Pro und Contra zum Aussetzen von Fasanen forderte der langjährige stellvertretende Kreisjägermeister Bernard Schumacher dazu auf, im Rahmen der Möglichkeiten in den Revieren noch mehr gegen das Fasanensterben zu tun. Man solle sich durch etwaige Rückschläge nicht entmutigen lassen.

Foto: Interessante Informationen boten Norbert Meyerdirks, Josef Schröer, Florian Rahe und Ulrich Voigt (von links) im Rahmen des Jägertages 2014.

Waidmannsheil wünscht Heinz Krüssel