| | | |

  • 1.jpg
  • 2.jpg
  • 3.jpg
  • 4.jpg
  • 5.jpg
  • 6.jpg

Termine

Interner Bereich

Login für Autoren

Der Wolf im Emsland

Es gibt ihn tatsächlich, den Wolf im Emsland.

Ich selbst habe ihn am ersten Mai in den Landesforsten Elbergen/Nordhorn-Range gesehen. Ich habe auf Bockjagd angesessen. Zwei Böcke sind flüchtig über den Weg gewechselt, zum Schuss kam ich nicht. Im Einstand konnte ich mehrere Rehe heftig schrecken hören. Dann wechselte ein Rudel Damwild, hoch flüchtig. Fast an gleicher Stelle zog in 300 m Entfernung direkt danach der Wolf auf den Weg und kam direkt auf mich zu. Das hat mich so beeindruckt, dass ich kaum noch Zeit hatte, das Foto mit den Smartphone zu schießen. Direkt neben dem Ansitzbock hat der Wolf mich dann bemerkt und ist zunächst 20 m in den Wald abgesprungen. Dort blieb er stehen und hat mich beäugt. In aller Ruhe hat er dann seinen Weg durch den Wald fortgesetzt und ist in Richtung Freifläche des Bombenabwurfplatzes abgezogen. Anhand des Verhaltens glaube ich nicht, dass es sich um einen ganz wilden Wolf handelt. Es kann jedoch sein, dass der Wolf aus einem Rudel/Region stammt, das mit den Menschen vertraut ist. Nachweise aus DNA-Analysen liegen noch nicht vor. Deshalb haben wir Jäger unsere Erlebnisse bislang auch der Öffentlichkeit vorenthalten.

Der erste größere und sehr gute Artikel aus unserer Region ist am Samstag, dem 30. August, in der Lingener Tagespost erschienen. Heinz Krüssel hat ihn geschrieben und einige treffende Fragen aufgeworfen. Eine Frage für die Zukunft möchte ich aus meiner Sicht ergänzen:

In der Region um Nordhorn-Range ist vielleicht Platz für ein Rudel Wölfe – für mehr aber nicht. Die Folgen der Anwesenheit eines Wolfes sind am Verhalten des Dam- und Rehwildes derzeit schon deutlich erkennbar. Viele Wölfe würden das biologische Gleichgewicht stören und auch in der ländlichen Bevölkerung für gewaltigen Ärger sorgen. Was machen wir also mit den überzähligen Wölfen?

Meinungen und Erlebnisse können den Verantwortlichen der Jägerschaft Lingen gerne berichtet werden. Wolfsberater ist Gerd Hopmann (siehe Kontakte). Er sammelt die Informationen und gibt diese im Rahmen des Wolfs-Monitoring an die LJN weiter.

Nachfolgend der Artikel von Heinz Krüssel:

Die Spuren eines Wolfes in Emsbüren
Emsbüren. Wer kennt sie nicht, die Geschichten vom „bösen Wolf“? Inzwischen hat der in Deutschland seit etwa 150 Jahren ausgerottete Wolf (Canis lupus) in Niedersachsen bekanntlich wieder Fuß gefasst. Zahlreiche Vorkommen sind nachgewiesen. Auch im Bereich Emsbüren, Elbergen und der Engdener Wüste ist ein Einzelgänger bekannt und schon oftmals gesehen worden.
Dass der Mensch nicht zum Beuteschema des Wolfes gehört, rüttelt kaum an alten Mythen und gruseligen Märchenüberlieferungen. Früher war der Biss eines tollwütigen Wolfes das Todesurteil. Und wenn im Mittelalter den bettelarmen Menschen die einzige Ziege oder Kuh gerissen wurde, drohte die Familie zu verhungern. So sitzt die Abneigung bei Menschen, die wenig über das Verhalten der Tiere wissen, noch tief. Im Jahre 1785 fand in der Region des heutigen südlichen Emslandes die letzte Wolfsjagd mit einem Heer von Treibern aus dem Münster- und Emsland sowie der Grafschaft Bentheim statt. „Die Jäger zogen anschließend von Haus zu Haus, zeigten ihre Beute und kassierten von den Bauern und Bürgern ein Trinkgeld,“ heißt es in einer alten Überlieferung. Einen guten Überblick über das Vorkommen, die Wanderungen und auch über die „Risse“ (getötete Tiere) des streng geschützten Wolfes hat Gerd Hopmann aus Leschede. Er ist als ehrenamtlicher Wolfsberater für den Bereich der Jägerschaft Lingen zuständig. Hopmann ist erfahrener Jäger und Jagdhundeausbilder. In konkreten Fällen arbeitet er eng mit der Biologin Britta Habbe, Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN), zusammen. „Die Landesjägerschaft will mit Mythen und Märchen zum Wolf aufräumen,“ erklärt die Biologin. Die Landesjägerschaft Niedersachsen ist seit 1979 anerkannter Naturschutzverband und vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz mit dem Wolfsmonitoring in Niedersachsen betraut worden. Sie arbeitet derzeit mit über 40 ehrenamtlichen Wolfsberatern zusammen, die vom Ministerium eingesetzt wurden. Gemeinsam werden Wolfshinweise protokolliert, die Daten anschließend bei der LJN zusammengeführt und bewertet sowie dem Land übermittelt. Wissenschaftliche Unterstützung leistet hierbei das Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz erfolgt eine enge Abstimmung und Zusammenarbeit. LJN-Präsident Helmut Dammann-Tamke sieht es als „missionarische Aufgabe“ an, bei den rund 60000 Jägern sowie bei der Bevölkerung mit alten Wolfs-Mythen und tief verwurzelten Ängsten aufzuräumen: „Wir müssen aufklären und um Akzeptanz werben.“ Weitverbreitet gelte noch die Auffassung, Wölfe könnten Wildbestände übermäßig dezimieren. „Klar ist, das große Raubtier wird Rehe und Hirsche jagen – aber in vertretbaren Maßen“, so der Präsident. Auch bei Wildschweinen sieht er nur Bruchteile als Wolfsbeute. Bevorzugte Beute werden eher geschwächtes, altes Wild oder unerfahrene Jungtiere sein. Gesunde, kräftige Tiere lassen sich selten erbeuten. „Die Menschen sind verunsichert“, weiß Gerd Hopmann, der sich mit dem Wolf bereits seit einigen Jahren beschäftigt. Dabei werde oft äußerst undifferenziert diskutiert. Während die einen die Wölfe am liebsten ganz aus den Wäldern verbannen würden, verklären manche Naturschützer die Wildtiere als mythische Lebewesen, deren Schutz über allem stehe. Als Einzelgänger streift seit einigen Monaten ein Wolf durch die Engdener Wüste sowie durch angrenzende Wälder, Wiesen und Felder. Er ist bereits mehrfach gesehen worden, in Fotofallen getappt und auch mit dem Handy fotografiert worden. Ein Problem ist inzwischen nach Aussage von Gerd Hopmann der sogenannte „Wolfstourismus“. Fotografen liegen auf der Lauer, um auch in entferntesten Ecken in der Natur den erhofften Schnappschuss zu machen. „Dieses gelingt doch in der Regel nicht, denn ein Zusammentreffen mit dem Wolf ist purer Zufall.“ Ausdrücklich weist der Wolfsbeauftragte darauf hin, dass das Betreten des Gebietes in der Engdener Wüste und des Bombenabwurfplatzes strengstens verboten ist. Aufgenommen hat Gerd Hopmann inzwischen mehrere „Risse“. In einem Fall wurde ein altes Damtier getötet. Der Fachmann stellte typische Beißspuren am Rücken fest. „Der Wolf greift das Tier von hinten an, reißt es nieder, um dann mit einem tödlichen Biss in die Kehle das Tier zu töten“, so Hopmann. Das Bild im Umfeld des restlichen Gerippes macht deutlich, dass dort ein langer Todeskampf stattgefunden haben muss. In unmittelbarer Nähe wurde Losung (Kot) gefunden.

Eine erste amtliche Untersuchung bestätigte eindeutig, dass die Losung vom Wolf stammt. Weitergehende Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, sagt Gerd Hopmann. Über eine DNA-Analyse kann das Geschlecht bestimmt werden. Zudem wird über genetische Analysen eine verwandtschaftliche Verbindung zu anderen Wolfsvorkommen untersucht. „Es ist für mich nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Rudel samt Nachwuchs auch im südlichen Emsland ihre Reviere haben werden“, sagt Hopmann. Er ist zugleich überzeugt, dass das Tempo der Rückkehr der Wölfe unterschätzt wird.